Beitrag zur fünften Clue Writing Challenge

Hallo, ihr Lieben,

heute gibt es mal wieder ein geschriebenes Werk von mir und zwar eine Kurzgeschichte. Das kommt, wie der Beitragstitel vielleicht erahnen lässt, auch nicht von ungefähr. Anfang der Woche bin ich nämlich auf die Seite von „Clue Writing“ gestoßen und wie es der Zufall will findet dort gerade eine Writing Challenge statt: Eine Geschichte in einer bestimmten Location mit fünf vorgegebenen Wörtern und einer Wörterzahl zwischen 870 und 1700. Aber lest am besten selbst.

Jedenfalls habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mich mal an einer Kurzgeschichte versucht. Leider wollte mir bisher noch kein passender Titel einfallen, aber vielleicht kommt das noch. Oder habt ihr vielleicht eine Idee? Dann gerne rein in die Kommentare damit. ^^

Jetzt wünsche ich euch jedenfalls viel Spaß mit meiner Geschichte.^^

(Noch) Ohne Titel

Ich habe meinen Schreibtisch nach draußen verfrachtet. Draußen auf die gepflasterte, überdachte Stelle direkt an der hinteren Hauswand. Mit Sichtrichtung und direkter Verbindung zu meinem Garten. Es ist warm, die Stelle ist wettergeschützt und bei frischer Luft lässt es sich einfach besser arbeiten. Darum hab ich meinen Schreibtisch nach draußen verfrachtet. Und mich gleich mit dazu.

Nun sitze ich hier. Mein Atem geht schwer. Zugegeben, es war ein ganz schönes Stück Arbeit, den Tisch hierher zu wuchten. Aber ich denke, es hat sich gelohnt. Das Pflaster zu meinen nackten Füßen ist angenehm kühl. Die Sonne wärmt meine Haut. Eine warme Brise weht durch mein Haar. Von einem der umgebenden Häuser aus erklingt eine Melodie aus einer Trompete. Ich atme ein paar Mal tief durch.

Langsam lasse ich meinen Blick umherschweifen. Über die Pflastersteine hinaus auf den Garten, über die Blumenbeete mit den prächtig blühenden Ringelblumen und dem herrlich duftenden Lavendel. Nicht nur ich erfreue mich an seinem Duft. Auch zahlreiche Hummeln tummeln sich um die großen Sträucher und erfüllen die Luft mit ihrem Summen.

Mein Blick wandert weiter. Die blühenden Pflanzen hinter sich lassend erreicht er das Gemüsebeet und bleibt bei den Tomatensträuchern hängen. Knackige, knallrote Früchte strahlen mir entgegen. Eine Tomate wäre jetzt genau richtig. Ich stehe auf und laufe barfuß den schmalen geplastern Pfad entlang durch den Garten. Bei den Tomaten angekommen, strecke ich meine Hände aus und pflücke mir ein paar Früchte. Mit geschlossenen Augen rieche ich an ihnen. Ein herrlich frischer und fruchtiger Duft. Da fällt mir der Rucola ein, denn ich heute früh im Supermarkt gekauft hatte. Mir kommt eine Idee: Ich mache mir jetzt einen Mischsalat.

Als ich mich mit den Tomaten im Arm umdrehe, um zurück zum Haus zu gehen, fällt mir eine davon herunter. Ich bücke mich, um sie wieder aufzuheben, da fällt mein Blick auf einen Stein am Rande des Beets. Es ist ein Kiesel, etwas kleiner als meine Handfläche, mit einer wunderbar glatten Oberfläche. Er hat eine beinahe perfekte ovale Form. Auf seiner Oberfläche schimmert eine Maserung, die aussieht wie eine Spirale. Wie hübsch! Ich strecke meine Hand nach dem Stein aus und hebe ihn und die verlorene Tomate auf. Mit vollen Händen schlendere ich den Pfad zurück zum Haus. Den Stein lege ich auf meinem Schreibtisch ab. Die Tomaten nehme ich mit nach drinnen.

Durch die offene Terassentür betrete ich das Wohnzimmer. Der cremefarbene Teppich fühlt sich weich an und kitzelt meine nackten Füße. Ich grabe die Zehen in die fellige Struktur ein und muss unwillkürlich kichern. Dann setze ich meinen Weg fort. Mit wenigen Schritten erreiche ich die hinter dem Wohnraum liegende Küche.

Ich lege die Tomaten auf der Anrichte ab und nehme den Rucola aus dem Kühlschrank. Dann gebe ich in ein Sieb, dass ich mit Schwung in Richtung Waschbecken hebe. Das Wasser fließt angenehm kühl an meinen Händen entlang, als ich den Hahn aufdrehe. Ein fröhliches Lied vor mich hin summend, wasche ich das Gemüse. Dann stelle ich es zum Abtropfen ab und suche nach einer Salatschüssel. Im Schrank neben der Spüle werde ich fündig. Auf einem Brett schneide ich den Salt und und die Tomaten klein und gebe die stücke in die Schüssel. Noch etwas Öl, Salz und Pfeffer dazu und alles gut vermischen. Mehr braucht es für mich nicht für einen guten Salat.

Zielsicher greife ich in das Regal über der Anrichte und nehme mir eine kleine Schale heraus. Ich fülle mir etwas von dem Salat ab. Den Rest stelle ich in den Kühlschrank. Da wird mein Mann bestimmt Augen machen, wenn er von der Arbeit nachhause kommt. Mein Mann ist ein großer Salatfan. Die Besteckschublade öffnet sich mit dem altbekannten Klirren, als ich sie am Griff aufziehe. Ich schnappe mir eine Gabel und schließe die Schublade mit einem kecken Hüftschwung. Mit dem Salat in der einen und der Gabel in der anderen Hand begebe ich mich wieder ins Wohnzimmer.

Dort werde ich bereits sehnsüchtig von Max erwartet. Der dreijährige rote Kater ist wohl gerade von seiner täglichen Runde heimgekehrt und hat es sich auf einer der oberen Nischen im großen Bücheregal gegenüber der Terassentür gemütlich gemacht. Als er mich sieht, mauzt er mir freundlich zu. Ich gehe langsam auf ihn zu. Da ich beide Hände voll habe und Max sich gerade auf meiner Kopfhöhe befinde, biete ich ihm eben den zur Begrüßung an. Prompt werde ich angeschmust und nach kurzer Zeit ertönt ein zufriedenes Schnurren.

Als ich meinen Kopf wieder zurücknehme, macht Max einfach am Regal und den darin befindlichen Büchern weiter. Ja, ich mag Bücher auch, denke ich belustigt, während ich die Gebärden des Katers beobachte. Bücher haben eine ganz besondere Austrahlung. Sie sind geheimnisumwoben und schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Sie entführen in Abenteuer und erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten und aus der Zukunft. Sie vermitteln Wissen von fremden und bekannten Welten. Sie können einen fesseln und befreien. Ich seufze kurz, bedenke den tollenden Kater mit einem weiteren Schmunzeln und setze meinen Weg in Richtung Garten fort.

Barfuß über die Pflasterseine tänzelnd gehe ich zurück zu meinem Schreibtisch. Die Schale mit dem Salat und die Gabel stelle ich darauf ab, während ich mich auf den Stuhl setze. Ich schlage meine Beine übereinander und beginne dann zu essen. Ich genieße jeden einzelnen Bissen. Die Tomaten schmecken einfach himmlisch. Und der Rucola ist die perfekte Kombination dazu. Genüßlich schließe ich die Augen und lege den Kopf in den Nacken.

Als die Schüssel leer ist, stelle ich sie vor mir auf den Schreibtisch. Mein Blick fällt wieder auf den ungewöhnlichen Kieselstein, den ich dort abgelegt hatte. Ich greife danach und nehme ihn in die Hand. Sachte lasse ich ihn durch meine Hände gleiten, wiege ihn ab, werfe ihn kurz in die Luft und fange ihn wieder auf. Ich betrachte das spiralförmige Muster auf der Oberfläche. Was so ein Stein wohl alles zu erzählen hat, frage ich mich in Gedanken. Das könnte bestimmt Bücher füllen.

Eine ganze Weile sitze ich einfach nur da und wiege gedankenverloren den Stein zwischen meinen Händen hin und her. Schließlich lege ich ihn ab und greife nach dem Stift, der sich nur ein paar Zentimeter weit von meiner Hand befindet. Dann ziehe ich den Block zu mir, der ebenfalls auf dem Schreibtisch liegt. Ich werfe einen letzten Blick auf den Stein, lächle und setze dann den Stift zum Schreiben an. Die Worte scheinen direkt von meinem Kopf durch den Stift auf das Papier zu fließen. Wie durch Zauberhand füllt sich Seite um Seite. Es fällt mir ganz leicht.

Als ich den Stift schließlich absetze, fühle ich mich wie aus einer Trance erwacht. Ich blicke mich ein klein wenig überrascht um. Wieso steht mein Schreibtisch denn im Garten? Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder gefunden habe. Dann kommnen die Ereignisse des bisherigen Tages wieder in meine Erinnerung zurück. Lächelnd schüttele ich den Kopf. Wer hätte gedacht, dass es sich bei frischer Luft so gut arbeiten lässt?

Ich nehme den Block in die Hand und lese mir das Geschriebene durch. Mit jeder Seite wird mein Grinsen breiter. Das ist so gut wie schon lange nicht mehr, denke ich und packe mein Zeug zusammen. Zuerst Block und Stift, dann die Schale mit der Gabel und zuletzt der myteriöse Stein. Du bist ja ein wahrer Powerstein, flüstere ich leise. Und in Gedanken ergänze ich: Du kamst genau richtig, um mir mit meiner Schreibblockade zu helfen. Zufrieden stecke ich den Stein in meine Hosentasche und wende mich in Richtung Terassentür. Ich betrete gerade das Wohnzimmer, als ich höre, wie sich im Schloss ein Schlüssel dreht. Das wird dann wohl mein Mann sein. Geheimnistuerisch drehe ich mich noch einmal zum Garten um, lege den Zeigefinger auf meine Lippen und mache: Pscht! Dann zwinkere ich und schließe die Tür.

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